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Potenzialausschöpfung im Wissenschaftssystem



24.05.2004
Am 24. Mai 2004 führte die Humboldt Institution on Transatlantic Issues einen Workshop zum Thema "Potenzialausschöpfung im Wissenschaftssystem" durch. 18 europäische und US-amerikanische Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik kamen zusammen, um das deutsche Wissenschafts- und Innovationssystem mit dem der USA zu vergleichen und um Verbesserungsvorschläge der Potenzialausschöpfung im deutschen System zu entwickeln. Dieser Bericht formuliert eine Reihe von Schlussfolgerungen, die freilich nicht als Konsens der Teilnehmer verstanden werden sollten.

Zusammenfassung
Innovationen sind entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit einer Nation, gerade in einer entwickelten Volkswirtschaft wie Deutschland. Innovationen sind mehr als wissenschaftlicher Fortschritt; sie bedeuten wirtschaftliche Wertschöpfung auf der Basis neuer Ideen. Sie sind häufig das Ergebnis einer Kooperation zwischen Unternehmen und Wissenschaft.

Deutschland hat in der Ausschöpfung des Potenzials seines Wissenschaftssystems klare Leistungsdefizite gegenüber den USA.

  • Die USA sind stark in der wissenschaftlichen Innovation und in der Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen und Unternehmenskonzepte. Ein wirtschaftliches Umfeld, gekennzeichnet durch hohe Wettbewerbsintensität, regional spezialisierte Cluster und innovationsorientierte Unternehmen, trägt dazu ebenso bei wie ein Wissenschaftssystem, das Wettbewerb und Differenzierung mit hohen Investitionen von Privaten und Staat verbindet. Universitäten sind ein Kernelement dieses Systems und suchen, z.B. über einen Technologietransfer, die möglichst breite Nutzung ihrer Forschung.
  • Deutschlands Forschungsleistung ist trotz wachsender Schwächen in Teilbereichen weiterhin recht stark. Beunruhigend ist die mangelnde Verknüpfung mit wirtschaftlich relevanten Neuerungen. Ein Grund sind die bekannten Verkrustungen im wirtschaftlichen Umfeld. Aber auch in dem Wissenschaftssystem selbst sind Reformen notwendig, insbesondere in den Hochschulen, die unter einer Überregulierung leiden. Unternehmerische Forschung und außeruniversitäre Forschungsinstitutionen gelten dagegen international als durchaus konkurrenzfähig.



Das deutsche Wissenschaftssystem braucht eine Reform des Ordnungsrahmens, gerade für die Universitäten. Nur dann werden mehr Ressourcen zu einer wirklichen Verbesserung führen können.

  • Kernelement muss das Leitbild einer Universität sein, die sich in einem transparenten Wettbewerbsumfeld bewusst für ein individuelles Ausbildungs- und Forschungsprofil entscheidet. Der Erfolg der Universität liegt in der Attraktivität für alle, die zu diesem Profil passen: Forscher, Studenten und Partner in Wissenschaft und Wirtschaft.
  • Schritte zur Umsetzung dieses Leitbilds verlangen die Reform einer ganzen Reihe von staatlichen Regulierungen, die einer entsprechenden Modernisierung der Entscheidungs- und Leistungsstrukturen bisher entgegenstehen. Es geht um mehr Freiheit für die Universitäten, aber auch um mehr Wettbewerbsdruck, diese Freiheit verantwortlich zu nutzen.
  • Mehr Freiraum geben zum Beispiel flexiblere Tarifverträge und ein Ende der Verbeamtung, Berufungen und Budgetplanung in Eigenverantwortung wie auch die Stärkung der Befugnisse der Universitätsleitungen gegenüber den Gremien der Universitäten.
  • Mehr Wettbewerb schaffen zum Beispiel die stärkere Leistungsorientierung des staatlichen Finanzierungssystems von Hochschulen, die Gleichbehandlung von privaten und öffentlichen Hochschulen, mehr Differenzierung zwischen den Bundesländern und mehr Informationstransparenz über die Leistungen der Universitäten in Lehre und Forschung.



Veranstaltungsort:
Humboldt-Universität zu Berlin
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät I
Mohrenstraße 41



Downloads zu diesem Workshop:
Policy Paper: "Potentialausschöpfung im Wissenschaftssystem"

Teilnehmer:
Dr. Kristina Böhlke
Bundesministerium für Bildung und Forschung

John Decker
Senat von Kalifornien

Anne Forde
Science's Next Wave Magazine

Prof. Christer Garrett, Ph.D.
University of Wisconsin - Madison

Thomas Gawlitta
berlinpolis

Dr. Janko Jochimsen
m2 Consulting

Dr. Christian Ketels
Harvard Business School

Dr. Stefan Kooths
Münster Institute für Computational Economics (MICE)

Dr. Marion Müller
Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dr. Petra Mühlbrett-Jung
SPD Fraktion im Deutschen Bundestag

Dr. Thomas Multhaup
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit

Joern Pelzer
3i Investments plc

Prof. Phillip Phan, Ph.D.
Haniel Gastprofessor, Institut für Entrepreneurship/ Innovationsmanagement, Humboldt Universität zu Berlin

Dr. Margrit Seckelmann
Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer

Dr. Tim Stuchtey
Humboldt Universität zu Berlin

Prof. Dr. Dr. h.c. Christian Tomuschat
Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Bernd Widdig Ph.D.
MIT International Science & Technology Initiative

Ralf Baumann
Deutsche Telekom


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